Die letzte Woche ist einiges bei uns passiert: Wir hatten eigentlich den Entschluss gefasst, dass wir dieses Jahr 2 Wirtschaftsvölker und einen Ableger kaufen wollten. Zusätzlich wollten wir 2 eigene Ableger erstellen, wodurch wir am Ende des Jahres auf 5 Völker gekommen wären.
Nun benutze ich aber die Wörter "eigentlich", "wollten" und "wären". Irgendwas scheint also nicht so ganz nach Plan gelaufen zu sein.......
Aber der Reihe nach. Wir waren am 2. Samstag im März bei unserem Wochenende-Einkauf bei einem Bio-Bauernhof in der Nähe, als ich ein Regal mit verschiedenen Honigen entdeckte. Ich bin beim Eingang dann direkt nach rechts abgebogen im Richtung Honig-Regal, während meine Frau nach links zum Gemüse gegangen ist. Ich habe mir dann mal die Vielfalt und die Preise der einzelnen Sorten des Honigs angeschaut und verglichen.
Anscheinend hatte ich mich ein wenig intensiver mit dem Honig beschäftigt als ein normaler Kunde, denn auf einmal sprach mich ein Mann in grüner Latzhose an und verwickelte mich in ein Gespräch über Honig, Bienen, Bestäubung und Obst. Im Laufe des Gesprächs hat sich herausgestellt, dass der Herr der Obstbauer des Biohofs ist.
Natürlich habe ich ihm von unseren Plänen von der Imkerei erzählt und er schien auch sehr interessiert an meinen Ausführungen und Plänen. Kurze Zeit später fragte er mich, ob ich ein paar Minuten Zeit hätte. Ich bejahte und er nahm mich mit zu einer Führung über den Hof. Besonders beeindruckend fand ich die mehr wie einen Hektar große Obstplantage. Dort wächst alle: von Äpfeln über Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Himbeeren und auch Stachelbeeren. Beim Rundgang fragte er mich, ob ich nicht evtl. Interesse hätte, ein paar Völker in der Plantage zu deponieren.
Die Obstfelder sind toll, von allen Seiten mit wilden Bäumen und Büschen geschützt, immer jede Menge Leute, die ein Auge auf den Beuten haben, ein Bio-Betrieb, welcher Rücksicht auf die Bienen nehmen möchte.....für uns erschien es sehr verlockend.
Zuvor mussten wir aber aber noch die Erlaubnis von dem Geschäftsführer einholen. Leider mussten wir dafür aber das Wochenende abwarten. Die Erlaubnis selbst zu bekommen stellte sich aber erstaunlicherweise als nicht sehr Schwierig heraus; es war nach 3 oder 4 Telefonaten erledigt. Der Geschäftsführer ließ seinen Mitarbeitern in solchen Dingen freie Hand und er hatte auch nichts dagegen.
Mittwoch bekam wir das OK und wollten Abends bereits nochmal auf den Hof fahren, um mit dem Obstbauern alles weitere zu besprechen. Wir begrüßten ihn und er nahm uns alle mit in die Plantage. Dort erzählte er uns, dass er eigentlich schon einen Imker habe, der normalerweise jedes Jahr komme und 15 bis 20 Völker zu den Obstbäumen stellen würde. Allerdings gab es letztes Jahr einen Streit mit dem Imker, denn dieser wollte nach einer jahrelangen Symbiose zwischen dem Bio-Hof und dem Bio-Imker plötzlich Geld für die Bestäubungsleistung seiner Bienen haben. Dies konnte der Obstwirt allerdings nicht entscheiden, da er selbst dort nur ein Angestellter an dem Hof ist. Seit diesem Vorfall hat der Imker sich nicht mehr gemeldet oder gar blicken lassen...
Wir mussten dem freundlichen Herrn allerdings mitteilen, dass wir auf eine so große Völkerzahl noch nicht zurück greifen können, da wir dieses Jahr selbst erst mit der Imkerei beginnen. Er signalisierte trotzdem Interesse und so haben wir uns einen schönen Platz in den Obstbäumen ausgesucht. Leider konnte er uns nicht anbieten, den Honig auch in dem sehr großen und gut besuchten Hofladen anzubieten, denn dafür müsste unsere Imkerei/unser Honig ein Bio-Siegel besitzen, was es leider noch nicht hat.
Zu Hause ging es wieder ans Telefon: Wir wollten vom Züchter unseres Vertrauens wissen, ob er dieses Jahr noch weitere Völker an uns liefern könne. Er sagte uns 5 weitere Völker zu; diese allerdings erst zum Ende Juni, Anfang Juli.
Wir sagten sofort zu und begannen mit der weiteren Bestellung: 5 weitere Beuten, hunderte Rähmchen, 16 kg Bio-Mittelwände, Futtersirup, Abfüller und ein digitales Honigrefraktometer. Es war 1:30 Uhr am Donnerstag Morgen, als wir endlich ins Bett sind; aber mit einem Plan im Kopf.
Wir werden die zwei für April bestellten Wirtschaftsvölker und den 3-Waben-Ableger in die Obst-Felder stellen, von den 2 Wirtschaftsvölkern wollen wir dann Ende April - Anfang Mai jeweils einen Ableger machen; jeweils einer kommt zu uns in den Garten und der andere zu dem Ehepaar, welches uns ihren Garten bereits 2-3 Wochen vorher zur Verfügung gestellt hatte. Wenn die 5 weiteren Ableger im Juni kommen, werden wir diese so verteilen, dass wir in dem Obst-Feldern 5, bei dem netten Ehepaar 3 und bei uns im Garten 2 stehen haben werden. Dies bedeutet aber auch, dass wir Ende des Jahres 10 Völker gegen die Varroa-Milbe behandeln müssen und alle 5 dann auch noch einfüttern müssen.....mal sehen wie das alles klappt.
Am Freitag Abend sind wir dann nochmals auf den Hof gefahren, um dem Herrn mitzuteilen, wie wir es vor haben und wie der Zeitplan ungefähr aussieht. Wir hatten unseren kleinen Sohn dabei und er hatte sehr viel Spaß auf dem Hof, denn dort gab es sehr viel für ihn zu entdecken: Hühner, Wachteln, Tauben,Esel......und auch Hasen. Diese werden dort gezüchtet, um dann später in der Metzgerei in der Theke zu liegen. Die Tiere hatten alle einen sehr großen und gepflegten Stall, die Tiere sahen sehr gepflegt und gesund aus. Die Tiere hatten keinerlei Angst vor Menschen, kamen an das Gitter gehoppelt und ließen sich streicheln. Einer dieser Hasen, ein schneeweißer hatte nur noch ein Ohr. Es war keine Wunde mehr zu sehen, also musste das Geschehene schon weiter zurück liegen. Wir fragten die Dame, welche die Tiere gerade fütterte, was denn passiert sei. Sie antwortete, dass der Fuchs eines Nachts durch eine kleine Öffnung im Zaun herein sei und sich den Hasen schnappen wollte. Dabei hat der Hase zwar sein Ohr verloren, sein Leben aber behalten können.
Uns tat der Hase so leid, dass wir heute Vormittag einen Käfig, Einstreu, Heu und Stroh besorgten und zu Hause vorbereiteten. Bei unserem normalen Wocheneinkauf, am Samstag, auf dem Bauernhof traten wir an die Pflegerin der Hasen heran und fragten sie, ob sie uns den Hasen verkaufen würde.....und was soll ich sagen? - Wir sind nun Besitzer eines (Ein)Ohr-Hasens. Er ist noch ein wenig scheu, aber wohl auf.
So schnell kann es gehen und sich weiter entwickeln.
Viele liebe Grüße Eure
Familie Fuchs

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