Wir hoffen, ihr habt Silvester gut überstanden und seid gut im neuen Jahr angekommen.
Mitte November habe ich in meiner G+ Community Imkerei Fuchs einen Post verfasst, in der es um den Sinn oder Unsinn einer Bio-Zertifizierung der eigenen Imkerei geht. Der Post ist hier zu finden. Nach dem Post von mir habe ich ein wenig mit +Jürgen Hörmann über dieses Thema diskutiert und mir ist klar geworden, dass es nicht immer so einfach ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Ich stehe weiterhin zu meiner Aussage: Eine Bio-Zertifizierung macht in meinen Augen keinen Sinn, denn man kann die Bienen nicht dazu bringen, dass sie keine Blüten anfliegen, welche mit Pflanzenschutzmitteln in Berührung gekommen sind.
Und wenn man sich zertifizieren lässt, weil man nur Bio-Zucker verfüttert, nur Bio-Mittelwände oder Naturbau in seinen Beuten betreibt und auch noch unbehandelte Holzbeuten besitzt, dann ist das alles super. Auch für die Bienen finde ich das toll, aber wie kann so sichergestellt werden, dass der Honig auch in Bioqualität aus der Schleuder kommt? Meiner Meinung nach: Gar nicht.
Anders herum finde ich es aus Sicht des Verbrauchers, der meiner Meinung nach hauptsächlich auf das BIO-Siegel achtet, weil er sich einen Qualitätsvorteil von diesen Produkten erhofft, aber nicht ehrlich, diesem Honig ein Bio-Siegel zu gewähren.
Als ehrlicher würde ich es empfinden, wenn man die Bienen bei einem Bio-Bauern auf stellt, der um seinen Hof herum nur Bio-Felder bewirtschaftet. Was dies betraf, hat mir +Jürgen Hörmann aber wiederum ein wenig die Augen geöffnet und mich darauf hin gewiesen, dass es so rum auch nicht sein dürfe, denn das würde bedeuten, dass man im Umgang mit den Bienen noch so eine Schlamperei begehen dürfe, man seinen Honig aber trotzdem mit Bio kennzeichnen dürfe. Dies darf selbstverständlich auch nicht sein.
Ich habe also festgestellt, dass dort noch vieles im Argen liegt. Also musste ich mal wieder recherchieren. Heraus gekommen ist dabei die Erkenntnis: Will man sich den Bienen und dem Endverbraucher gegenüber korrekt verhalten, hat man es ganz schön schwierig.
Die Frage ist: Warum kauft man Lebensmittel in BIO-Qualität? Es gibt 2 "Gruppen", die erste kauft Bio weil sie sich etwas Gutes tuen möchte und der Meinung ist, dass Bio nicht mit chemischen Mitteln behandelt wird und somit (theoretisch) sofort verzehrt werden kann. Die andere Gruppe kauft Bio, weil sie auf die Nachhaltigkeit wert legen, mit der diese Produkte angebaut werden. Ich schätze der Anteil der Gruppen zu einander liegt bei etwa 90% von Gruppe 1 zu 10% von Gruppe 2. Da gegen ist ja auch nichts einzuwenden, wir selbst gehörten bis vor kurzem eher zur ersten Gruppe (wobei meine Frau trotz alledem sehr auf die Umwelt achtet und ihr die Ökologie auch sehr wichtig ist).
Nichtsdestotrotz musste ich während meiner Recherche erkennen, dass es unmöglich ist, anhand der Verpackung (Siegel, Auszeichnungen, Prämierungen etc.) festzustellen, wie qualitativ hochwertig oder auch eben nicht, ein Lebensmittel ist. Dabei spielt Vertrauen eine sehr große Rolle. Sicherlich ist es gut, dass es Verbände gibt, die ihren Mitgliedern vorgaben machen, die diese einzuhalten haben, wenn sie das jeweilige Gütesiegel tragen wollen, aber die Anforderungen sind teilweise relativ großzügig ausgelegt.
Bleiben wir beim Thema Bienen und Imkerei. So schreibt ein großer Verband schreibt beispielsweise in seinen Richtlinien:
Bei der Aufstellung der Bienenvölker sind biologisch-dynamisch bewirtschafteteFlächen, ökologisch bewirtschaftete und naturbelassene Flächenzu bevorzugen. Zumindest in der Umgebung der Überwinterungsplätzemüssen jährlich die biologisch-dynamischen Präparate ausgebracht
Das klingt ja erstmal gut, aber es ist das Wörtchen "bevorzugen" in dem Text enthalten, das bedeutet ja im Umkehrschluss: Wenn es keine ökologisch bewirtschafteten Flächen gibt, dann kann man sie auch in der Pestizid-Hölle hin stellen.werden.
Und ob dann der Honig so unbelastet ist, das kann sich jeder ausmalen...
Als nächstes Frage ich mich, was der 2. Teil des Paragraphen bezwecken soll. Warum sollen an dem Überwinterungsplatz der Völker biologische Präparate ausgebracht werden? Ich verstehe diesen Satz so, dass man dort, wo die Bienen den Winter über stehen eine Bio-Blumenwiese sein soll. Und was bringt diese Wiese im Winter, wenn die Bienen eh in der Wintertraube zusammen hängen und sich nicht aus der Beute bewegen?
Ich denke, die Verbände sollten noch ein wenig ihr Anforderungen verschärfen und über die bestehenden an die tatsächlichen Anforderungen anpassen.
Es würde meiner bescheidenen Meinung nach durchaus Sinn machen, einen biologisch bewirtschafteten Pflicht-Teil der Flächen von 50% zu verlangen. Dies sollte doch zu schaffen sein, da wir hier von einer Fläche von ca. 4km² reden.
Aber vielleicht sehe ich das alles auch ein bisschen zu ideologisch und ich sollte mich von meinen Wunsch-Vorstellungen trennen, ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich versuchen werde einen guten Mittelweg zu finden, mit dem wir den Honig mit einem guten Gewissen an die Kunden verkaufen können.
Eine letzte Anmerkung noch: Wir sind absolut nicht gegen die ökologische Landwirtschaft, im gegenteil, wir finden es toll, wenn Landwirte aufhören, ihre Felder mit PSM zu besprühen um den Kunden wieder ein unbelastetes Naturprodukt anbieten zu können. Und wir verstehen auch, dass sich der Preis durch eine solche Landwirtschaft erhöht. Aber so lange das Endprodukt eine gute Qualität hat, sind wir (und ich denke auch andere) gerne bereit auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen.
Leider bringt es nichts, wenn sich einzelne Landwirte auf so eine Betriebsweise umstellen, den die PSM werden vom Wind und Regen auch auf die biologisch angebauten Flächen getragen.
Ein Umdenken sollte stattfinden und das nicht erst in 20 Jahren.
Viele Grüße
Eure Familie Fuchs

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