Mittwoch, 18. Dezember 2013

Aller Anfang ist schwer

So, dann machen wir mal den Anfang und stellen uns mal vor: Wie sind die Familie Fuchs und kommen aus Flörsheim am Main. Wir, das sind meine Frau Kathi, der kleine Tobias und ich, Sebastian. Natürlich wollen wir unser 2. Kind auch nicht vergessen: Unsere fast 9-Jährige Mops-Dame Honey ;-)
Ich selbst bin schon sehr früh mit der Imkerei in Kontakt gekommen, mein Großvater hatte immer viele Völker. Zu seinen Spitzen-Zeiten waren es um die 100. Und so habe ich als kleiner 5 oder 6-Jähriger natürlich auch schon meinen ersten Imker-Anzug und meine eigene Pfeife erhalten. Natürlich konnte ich meinem Großvater damals nicht wirklich helfen, aber ich glaube, er hatte Freude daran, mit seinem Enkel eine Gemeinsamkeit zu haben. Ich kann mich natürlich (leider) an fast nichts mehr aus dieser Zeit erinnern. Ich kann mich nicht mal mehr an die Rasse oder das Beuten-Maß erinnern.
Als Jugendlicher hatte ich dann andere Sachen im Kopf, als mit der Imkerei zu beschäftigen. Ich wollte lieber mit Freunden etwas unternehmen und mich um meine Schulbildung kümmern. Und so geriet die Imkerei etwas in Vergessenheit.
Als mein Großvater dann im Jahre 2002 auch noch einen Schlaganfall erlitt, mussten seine Völker relativ schnell in gute Hände abgegeben werden, weil aus unserer Familie niemand das Wissen oder die Zeit hatte, sich um die Völker zu kümmern. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt kurz darüber nach gedacht, ein paar Völker zu behalten, aber dann fiel mir auch wieder ein, dass die Bienen ganz schön stechlustig waren und mich teilweise schon ziemlich getrietzt hatten (trotz komplettem Anzug).
Nachdem mein Großvater sich ohne größere, bleibende Schäden erholt hatte, wollte er seine Imkerei aber auch nicht mehr aufbauen, er wollte sich auf andere Bereiche in seinem Leben konzentrieren. Im Nachhinein denke ich, dass er es sich nicht mehr zugetraut hatte, sich um mehrere Völker zu kümmern. Er hatte sich dann der Malerei und der Holzbearbeitung gewidmet.
Im Jahre 2005 bin ich mit meiner jetzigen Frau in Wiesbaden-Biebrich zusammen gezogen, sie ist aus Berlin nach Wiesbaden zu mir gezogen, damals waren wir aber schon 5 Jahre zusammen.
2007 ist dann unser Sohn Tobias zur Welt gekommen, das war ein wunderbares Ereignis. Auch mein Großvater war überwältigt von seinem Urenkel. Wir haben ihn regelmäßig besucht, aber das Thema Bienen kam nie wieder auf. Ich wollte es bei ihm einfach nicht ansprechen, weil ich denke, dass es ihm einfach leid tat und er es vermisste, sich um die Völker zu kümmern.

2010 sind wir dann nach Flörsheim umgezogen in ein kleines Häuschen mit einem kleinen Garten hinterm Haus. Dort haben wir dann Rasen verlegt, haben ein kleines Obstbeet angelegt, in welchem wir Erdbeeren, Himbeeren, ein Stachelbeerbäumchen und eine Blaubeere gepflanzt hatten. Da wir zu Beginn den Boden ca. 1/2 Meter abgetragen hatten, die Fläche mit einer 50:50 Mischung aus Kompost zu Muttererde wieder aufgefüllt hatten, ist alles super angewachsen und gedeiht.

2012 mussten wir dann einen sehr schweren Schicksalsschlag verkraften: Mein Großvater wurde mit einem weiteren Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert, wo er kurze Zeit später verstarb. Dieses Ereignis hat uns in ein tiefes Loch gestürzt. Auch unser kleiner Sohn, Tobias, war sehr traurig gewesen.
Einige Monate nach der Beerdigung habe ich mit meiner Frau über das Leben von meinem Großvater gesprochen, dabei bin ich auch auf seine tiefe Verbundenheit zu den Bienenvölkern eingegangen, sie war sofort hellauf begeistert, weil sie diese Tiere schon immer toll, faszinierend und unglaublich fand. Die Kommunikation im Stock, dieses Zusammenleben von 20.000 bis 50.000 Bienen....unbeschreiblich.
So fingen wir an, uns mit dem Thema Bienenhaltung auseinander zu setzen.

Meine Frau merkte schnell, dass das Aussuchen der für uns am besten geeigneten Beute (so nennt sich der Kasten, in dem man die Bienen beheimatet) eine Wissenschaft für sich ist und sie hat mir diese Entscheidung überlassen. Also habe ich Wochenlang Beiträge in Foren, Artikel und Flyern studiert. Am Ende war ich sehr angetan von der Dadant-Beute, da die Bienen dort in einem Brutraum gehalten werden (was unserer Meinung nach der natürlichen Lebensweise am nächsten kommt) und die Honigräume nur halb hoch und somit auch nicht so schwer sind, sodass meine Frau sie auch alleine anheben kann.

Als nächstes stand die Wahl der Bienenrasse an. Dabei standen uns 2 Rassen zur Auswahl: Carnica oder Buckfast. Die Carnica ist eine relativ alte Rasse, welche sich schon Millionenfach bewährt hat und als 2. die Buckfast. Diese Rasse wurde von Bruder Adam (Karl Kehrle) gezüchtet und weiter entwickelt. Sie wurde zu seinem Lebenswerk.

Wir hatten zwar schon einiges geplant, aber wir wollten uns vorher gerne einmal mit einem Imker unterhalten. Also haben wir den Kontakt zu einem lokalen Imkerverein gesucht. Nach einem kurzen Telefonat hat mir der Vorsitzende von dem Bienenfreunde-Rhein-Main Verein einen Namen von einem Imker in unserer Nähe gegeben. Diesen habe ich dann angerufen und von ihm eine Einladung zu einem seiner kleinen Stände in der Nähe für den selben Tag bekommen. Am Stand angekommen, hat er uns erstmal eine Einweisung in den Umgang und die Arbeiten an den Bienen gegeben. Danach sind wir dann zu seinen Beuten gegangen. Dort hatten wir dann einen Schock-Moment: Wir konnten uns den Beuten nur bis auf 3m nähern, da selbst auf diese Entfernung schon die ersten Bienen zum Angriff über gingen. Nach diesem Besuch kamen uns die ersten Zweifel, ob es vielleicht eine Schnaps-Idee von uns gewesen sein könnte.

Zwei Wochen später hielt der Verein ein Treffen ab und ich beschloss, an diesem Treffen teilzunehmen. Ich wurde freundlich empfangen, durfte mir auch den für diesen Abend geplanten Vortrag anhören und anschauen. Ich wurde bei, dem Treffen zwar toll in der Gruppe aufgenommen, persönlich habe ich mich allerdings nicht so wohl gefühlt. Es waren vorrangig ältere Mitglieder anwesend, welche auch teilweise ein wenig voreingenommen waren, als ich meinen Wunsch nach Dadant und Buckfast geäußert habe.
Dies gab uns den nächsten Dämpfer und wir waren noch mehr enttäuscht.
Aber aufgeben wollten wir noch lange nicht und so habe ich als nächsten Schritt den Imkerverein Wiesbaden kontaktiert. Auf diesen Verein sind wir gekommen, weil wir noch engen Kontakt zu Wiesbaden haben, ich bin dort aufgewachsen, Arbeite dort, unser Sohn wurde dort geboren, wir haben lange in Biebrich gewohnt und wir haben noch viele Freunde in Wiesbaden. Der Vorsitzende, Kurt Schüler, hatte uns für die nächste Woche zu sich in den Garten zu seinen Bienen eingeladen. Wir sind zu dritt bei ihm aufgetaucht und er hatte sich sehr viel Zeit für uns genommen. Zuerst hat er uns eine theoretische Einweisung gegeben, ist dabei richtig toll auf unseren kleinen Sohn eingegangen, als er gemerkt hat, dass es etwas langweilig für ihn wurde. Er hatte schon einen Stockmeißel und ein paar Utensilien vorbereitet, mit denen sich unser kleiner beschäftigen konnte. So hatten wir viel Ruhe und konnten alle unsere Fragen los werden. Kurt war zwar ein wenig irritiert, als wir von unserem Vorhaben mit Buckfast und Dadant erzählt haben, hat uns aber seine Unterstützung zugesagt. Er selbst habe nur wenig Erfahrung mit Buckfast und Dadant, versprach uns aber Kontakte zu Dadant bzw. Buckfast-Imkern herzustellen.
Danach folgte der praktische Teil, vor welchem wir nach dem vorigen Ereignis ein wenig bedenken wegen dem Kleinen hatten. Kurt konnte uns aber beruhigen indem er uns sagte: "Wenn ich auch nur die geringsten Bedenken hätte, würde ich mit euch nur in Schutzkleidung an die Bienen gehen". Unsere Ängste haben sind nach ein paar Minuten in nichts aufgelöst und wir konnten die Durchsicht des Volks voll genießen. Tobias durfte eine Wabe mit Hilfe des Stockmeißels ziehen und was vollauf zufrieden, als er von Kurt eine Drohne bekommen hat, die er über seinen Arm krabbeln lassen konnte, ohne gestochen zu werden.
Nach diesem Besuch stand unser Entschluss fest: Wir wollten mit der Imkerei anfangen und dem Wiesbadener Imkerverein beitreten

Dies waren unsere ersten, zarten Kontakte mit der Imkerei.



Viele Grüße wünschen Euch

Familie Fuchs



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